Restaurierung meines Superelastik Seitenwagens (Seite 1)

Zustand der Restaurationsbasis

Superelastik Boot nach der Abholung Superelastik Boot direkt nach der Abholung

Durch einen Zufall kamen wir nur kurze Zeit nach dem Erwerb der ES 300 auch in den Besitz eines passenden Superelastik Seitenwagens, der ganz in der Nähe verkauft wurde. Im Paket mit seiner ehemaligen Zugmaschine, einer ES 250/0, war er sogar recht günstig, da fast alle Teile am Seitenwagen, sowie die richtigen Anschlussteile für die alte ES, vorhanden und keine Durchrostungen zu erkennen waren. Die Restauration sollte aber dennoch einiges an Arbeit bedeuten.

Zerlegen des Fahrgestells

Rahmen en block auf der Bühne Rahmen ohne Anbauteile

Karosserie und Fahrgestell waren bereits beim Kauf von einander getrennt, so konnte ich ohne fremde Hilfe gleich mit der weiteren Demontage des Rahmens loslegen. Da viele Schrauben stark angerostet und danach noch mit Teerfarbe überpinselt worden waren weichte ich zunächst alles mit Kriechöl ein. Danach ließen sich fast alle Schrauben ohne Probleme mit dem Schlagschrauber lösen.
Sämtliche Rahmenteile wurden daraufhin gesandstrahlt und zum Pulverbeschichten mit den ES 300 Rahmenteilen nach Leipzig gebracht. Nicht neu erhältliche Schellen und Spezialschrauben wurden glasperlgestrahlt und zum Verzinken gebracht.

Kleinteilekiste Sandgestrahlte Kleinteile

Zerlegen des Bootes

Boot ohne Sitz und Versteifungen Trennstelle vorne / hinten

Wie beim ES 300 Projekt machte ich auch hier erst nach einer Sommerpause weiter. Ich wollte mich nun der Herrausforderung stellen die Karosserie, wegen ihrer Form "Boot" genannt, zu demontieren. Nachdem die aufklappbare Haube und die umlaufende obere Verstärkung entfernt sind wird das ganze Teil recht wabbelig. Hat man dann noch diverse Vertärkungen abgebaut kann das Vorder- vom Hinterteil getrennt werden. Beide Teile sind durch einige Punktschweißungen miteinander verbunden, die man aufbohren muß.
Der hintere Teil des Bootes hat einen Boden aus Stahlblech, während die Seiten aus Aluminium sind. An den Übergängen gammelt es dann gerne. Der unten zu sehende Alufraß befand sich genau hinter einer der Verstärkungen, so daß ich dort nur das korrodierte Aluminium entfernen und die Materialdopplungen bei der Montage ordentlich abdichten werde.
Der Stahlboden war glücklicherweise im Hinterteil kaum angegriffen, da er von außen mit einer dicken Schicht Teer als Unterbodenschutz eingesaut war. Dieser ließ sich erst nach langem einweichen mit Kaltreiniger und anschließendem Drahtbürsten mit einem Spachtel mühsam abkratzen. Jeder Sandstrahler hätte mich mit dem Teil sonst vom Hof gejagt!

Alufraß Entfernen des Unterbodenschutzes

Der Vorderteil des Bootes hatte wohl weniger Glück und es stand über Jahre hinweg Wasser darin. Ich konnte einen großen Teil des Unterbodens zusammenfegen und dann halbwegs beruhigt feststellen, daß das Blech zwar dünner aber bei weitem nicht durchgerostet war.

Teile des Boots zusammengekehrt Stahfraß

Polieren der Aluteile

Blinkerhalter und Zierleisten Zierleisten der Haube

Im Winter kamen dann wiederrum zusammen mit den ES 300 Teilen die Aluteile an die Reihe. Durch das Zusammenlegen dieser Arbeiten konnte ich etwas an Zeit sparen und mußte vor allem nur ein mal den Polierstaub aus der Garage kehren. Sämtliche Teile wurden zunächst glasperlgestrahlt, um den dick aufgetragenen Pinsellack zu entfernen. Beim Vorschleifen versuchte ich mir möglichst viel Maschinenleistung in Form von Schwingschleifern oder Bohrmaschinenaufsätzen zu Nutze zu machen; damit ging die Arbeit wenigstens vorran. Schließlich wurden alle Teile mit der Bohrmaschine auf Hochglanz poliert. Das dabei hier und da einige große Kratzer sichtbar bleiben stört mich nicht, man darf ruhig sehen, daß die Teile 50 Jahre alt sind!

Kofferraumklappenverschluß Gepäckträger und Positionslichtsockel

Den Haltegriff für den Seitenwagenpassagier mußte ich leider neu besorgen, weil der alte auseinander fiel. Er hatte scheinbar sehr unter der Hühnekacke in der Scheune des Vorbesitzers gelitten.
Das MZ-Emblem für die Seitenwagenhaube war das einzige Teil das ich komplett von Hand polierte, da mir das Risiko zu groß war es dabei zu beschädigen.

Haltegriff MZ-Emblem für die Haube

Einspeichen des Rades

Seitenwagenrad beim Zentrieren Fertiges Seitenwagenrad

Gerade hatte ich die Räder für die Zugmaschine eingespeicht, da nahm ich die Gelegenheit wahr, die bereits aufgebaute Zentriereinrichtung auch für das Seitenwagenrad zu nutzen. Auch dessen Felge hatte ich durch Marc in Leipzig polieren lassen, die Trommel wurde glasperlgestrahlt und ausgedreht, damit sie wiederexakt rund ist.
Man kann sehen, daß diese Trommel schon etwas neuer ist, als die des Motorrads, sie hat keine Blechplättchen mehr unter den Speichen. Wie auf dem Hinterrad der Maschine montierte ich auch auf dem Seitenwagenrad einen speziellen Gespannreifen von Heidenau, Profil K29.

Der Kotflügel trifft ein

Lackierter und linierter Kotflügel Lackierter und linierter Kotflügel - Innenseite

Marc war gerade dabei seine ES 250/2 zu restaurieren und hatte daher wieder einige Teile beim Lackierer. Da mein Seitenwagenkotflügel ebenso wie die der Zugmaschine liniert werden sollte und ich in Aachen niemanden kenne der das macht hatte ich das Teil auch zu Marc geschickt - nun war es wieder da.
Die Linierung auf der dem Boot zugewandten Seite gab es original nicht, aber ich war der Meinung, daß es merkwürdig aussähe, wenn die Linie unten plötzlich im Nichts enden würde. Das Ergebnis bestätigte mich und tröstet etwas über die hohen Kosten von fast 200 € für ein bischen Lack hinweg.

Rahmenpuzzle

Rahmenpuzzle Rahmen montiert
Schelle des Stabilisators

Wieder hatte ich eine lange Sommerpause eingelegt und meine Kräfte danach auf die Fertigstellung der ES 300 Zugmaschine gebündelt. Diese war just fertig geworden und ich machte mich voller Elan wieder an den Seitenwagen.
Schnell waren die pulverbeschichteten Rahmenteile ausgepackt und der größte Teil des Fahrgestells wieder mit neuen Gummilagern und neu verzinkten Schellen zusammengebaut.

Links im Bild: Befestigung des Stabilisators an der Seitenwagenschwinge. Diese Gummilager rutschen wohl gerne schonmal ab und machen das Gespann dann plötzlich unfahrbar, da es sich stark aus den Kurven neigt.

Zerlegen des alten Sitzes

Alter Sitz und Innenausstattung Entfernen des alten Sitzbezugs

Der alte Sitz war definitiv nicht mehr zu gebrauchen, da traf es sich gut, daß der Weihnachtsmann mir einen neuen Bezug und auch den Rest der Innenausstattung gebracht hatte.
Das Garagentor war momentan zugeschneit und ich nicht motviert etwas dagegen zu unternehmen. Also zerlegte ich im Keller den alten Sitz und wollte dann gleich den neuen Bezug ausprobieren. Doch bekanntlich kommt es ja erstens immer anders und zweitens als man denkt!
Unter dem alten Bezug fand ich wiederlich stinkende, alte Polstermaterialien, die bei Berührung zu Staub zerfielen. All das wanderte in einen Müllsack, der sogleich gut verschlossen wurde. Der alte Federkern der Rückenlehne war zu stark angerostet, als das ich ihn hätte wiederverwenden können und im Holzrahmen waren bereits viel zu viele Löcher der alten Nägel. Mir dämmerte, daß ein kompletter Neuaufbau ins Haus stand.

Alter rostiger Federkern Leckere Polstermaterialien im Müllsack

Neubau der Rückenlehne

Alter Holzrahmen taugt nur noch als Muster Neue Rückenlehne aus Siebdruckplatte

Da sowohl Federkern, als auch Holzrahmen nicht mehr zu gebrauchen waren, entschloss ich mich dazu für meinen Neubau, anstelle des Federkerns, einfachen Schaumstoff zu verwenden, der nicht quietscht oder raschelt. Das machte dann statt des Rahmens eine Platte notwendig, würde mich aber insgesamt deutlich günstiger kommen.
Also nutzte ich den alten Rahmen als Muster für den Bau der neuen Rückenlehne, für die ich im Holzhandel einen Rest Siebdruckplatte bekommen hatte. Diese ist praktischerweise wetterfest verleimt und wasserdicht beschichtet. Nachdem die Platte ausgesägt war mußten noch ein paar große Löcher gebohrt und oben eine Leiste aufgeschraubt werden, mit der die Lehne später wieder am Seitenwagen eingehangen werden kann.
Den Schaumstoff bekam ich beim freundlichen Polsterer um die Ecke, der mir auch ein paar Polsternägel für den Bezug mitgab. Nachdem ich den Schaumstoff mit der Flex und Fächerscheibe in Form gebracht hatte klebte ich ihn mit einer beträchlichen Menge Pattex auf die Platte auf.

Rückenlehne und Polster mit Pattex Rückenlehne mit aufgeklebtem Polster

Beziehen des Sitzes

Angenagelter Innenbezug Seitenteile und Polsterstreifen angenagelt

Jetzt juckte es mich in den Fingern und ich wollte den Sitz unbedingt noch heute fertig bekommen. Nachdem der Bezug korrekt zur Lehne ausgerichtet war nagelte ich zunächst den Innenbezug und die Polsterstreifen an. Dabei muß man die Nägel in die Kanten der Platte schlagen, wodurch sich die Verleimung lösen kann. Damit erwies sich die Idee mit der Siebdruckplatte als nicht ganz optimal, doch wenn man die Nägel immer etwas versetzt einschlägt funktioniert es ganz gut.

Zuletzt muß noch der Außenbezug befestigt werden, das macht man zunächst an den Seiten, dann Oben. Die Ecken werden ganz am Schluß umgelegt. Dabei ist es etwas knifflig den Bezug so zu falten, daß er sicher hält, aber zugleich keine unschönen Falten wirft. Nach zwei Stunden Arbeit war ich aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Rückseite der fertigen Lehne Fertiger Sitz

Wiederbelebung der Bremse

Teile des originalen Hauptbremszylinders Neu angefertigter Kolben für den HBZ

Der Superelastik Seitenwagen verfügt über eine hydraulische Bremsanlage, die gleichzeitig mit der hinteren Motorradbremse betätigt wird. Vergisst man den regelmäßigen Wechsel der Bremsflüssigkeit, zieht diese Wasser und die Stahlkolben rosten in den Bremszylindern fest. Das Gleiche war auch mit der Bremsanlage an meinem Seitenwagen passiert.
Für die anfänglich geplante Instandsetzung des alten Hauptbremszylinders hatte mein Vater bereits einen neuen Kolben aus Rotguß gedreht, doch dann konnte ich bei eBay relativ günstig ein unbenutztes Teil aus Lagerbeständen erstehen (links). Den neuen, nichtrostenden Kolben baute ich dort trotzdem mit neuen Dichtungen und Bremszylinderpaste ein.
Neue originale Radbremszylinder (rechts), ebenfalls aus Lagerbeständen, gab es auch bei eBay, den zweiten kaufte mir dann Marc ab.

Neuer Hauptbremszylinder Neue Radbremszylinder
Fertig vorbereitete Bremszylinder Angebauter HBZ

Zur optischen Verfeinerung lackierte ich die Bremszylinder mit Resten des schwarzen Lackes, den ich für den ES 300 Tank gekauft hatte. Dann konnte die Bremsanlage am Fahrwerk angebaut werden.

Bremsschlauch Angebauter Radbremszylinder

Hochzeit von Seitenwagenfahrgestell und Zugmaschine

Seitenwagenfahrgestell am Motorrad angebaut Befestigung des Querstabis am Fahrzeug

Dann war endlich Hochzeitstag: Seitenwagenrahmen und Zugmaschine sollten nun Eins werden, um die Grundeinstellung des Fahrwerks vornehmen zu können und die weiteren Arbeiten bequemer durchführen zu können. Den Anbau alleine und ohne Lackschäden zu bewerkstelligen ist eine ganz schöne Herausforderung und, wenn man Hilfe bekommen kann, nicht zur Nachahmung zu empfehlen. Bei mir siegte aber die Ungeduld.
Die erste Montage der Stabibefestigung am Motorrad war dagegen ein Klacks, aber auch ganz schöne Fummelei, die losen Schellen richtig einzufädeln, während der Stabi dabei vorgespannt ist.
Doch die Mühen lohnten sich und ich konnte zum ersten mal auf meinem Gespann Platz nehmen...

Rahmenschelle des vorderen Seitenwagenanschlusses - mit Luft Schelle des vorderen Seitenwagenanschlusses - final

Einer eingehenderen Begutachtung hielt die geleistete Arbeit aber noch nicht Stand: Die Schelle ums Rahmenrohr für den vorderen Seitenwagenanschluss war wohl mal zu fest angezogen worden und damit zu eng für die dick pulverbeschichteten Teile. Die Folge davon war, daß die Schelle nur an wenigen Punkten am Rahmenrohr auflag und so natürlich nicht ordentlich Kräfte übertragen können würde.
Glücklicherweise ließen sich die beiden Hälften mit einer Presse und einigen Tonnen Druck wieder dazu überreden ihre ursprüngliche Form anzunehmen.

Verfeinerung der Bremsanlage

Bremshebel - zu kurz Bremshebel - verlängert

Natürlich war die Schelle nicht das einzige Problem. Doch da Lehrjahre bekanntlich keine Herrenjahre sind mußte ich zum lernen eine Schaffenspause einlegen. Nach der letzten Prüfung widmete ich mich dann dem zu kurzen Seitenwagenbremshebel (ob den mal jemand abgesägt hatte?), der vom Eifelheizer kurzerhand wieder verlängert wurde.

Bremsflüssigkeitsbehälter - im Weg

Anstelle des originalen offenen Schlauchs als Bremsflüssigkeitsreservoir, in dem die Flüssigkeit wunderbar Wasser ziehen kann, wollte ich einen ordentlichen Behälter verbauen.
Diesen hatte ich zunächst an der Gewindespindel des oberen Seitenwagenanschlusses befestigt, jedoch war dies genau der Platz wo eigentlich das rechte Fahrerbein hingehört.
Also mußte auch hier Abhilfe geschaffen werden und der Behälter fand, auch optisch viel schöner, seinen neuen Platz auf dem Rohr des unteren Anschlusses. Befestigt habe ich ihn mit zwei Rohrschellen und einem Blechwinkel.

Bremsflüssigkeitsbehälter - neuer Einbauort Bremsflüssigkeitsbehälter - neuer Einbauort