Schottland 2011 (Seite 4)

Tag 9, 05.06.2011: Big Sand - Inverewe

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Schönes Haus im Grünen...
Leider zu früh für Fish'n Chips
... Das Reh betrachtete mich misstrauisch.
... schon wieder Sandstrand
nördlichster Punkt der Reise... ...
Traktor zu verkaufen: wenig Rost, minimale Gebrauchsspuren, für Bastler ...
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schöne Steigung... ...
... ein wenig Offroad mit der ES

Das Wetter meinte es einigermaßen gut mit mir an diesem Tag, also ging es weiter gen Norden. Ich wollte an diesem Tag meinen nördlichsten Punkt dieser Reise erreichen und dann wieder umkehren. Ursprünglich wollte ich noch weiter nach Norden fahren, zeitmäßig hätte das auch noch locker funktioniert, aber ich hatte so langsam die Lust verloren und wollte auch auf dem Rückweg noch durch Wales fahren.
Über Gairloch und Poolewe fuhr ich dann nach Ullapool, wo ich mir Fish'n Chips reinpfeifen wollte, nachdem man mir das auf dem Zeltplatz in Big Sand nahegelegt hat. Leider kam ich etwas zu früh an "Britanniens bestem Schnellrestaurant" (laut einem Schild vor der Bude) an und so fuhr ich erstmal weiter gen Norden. Bei Drumrunie verließ ich die A835 und fuhr eine wirklich schöne kleine Straße Richtung Lochinver, von dort aus weiter auf der B869, wo dann der Drumbeg Viewpoint den nördlichsten Punkt meiner Reise markierte. Wieder auf der "großen" Straße A894 angekommen, fuhr ich direkt bis Ullapool, mein Magen knurrte schon, also ließ ich den 16 Pferden in der ES freien Lauf (zugegeben, das tat ich eigentlich immer)...
Die Imbißbude hatte nun offen und ich bekam die erwünschte Portion Fish'n Chips. Um mit dem Positiven anzufangen: Der Fisch war wirklich frisch und lecker, allerdings die Pommes lasch und das Ganze ziemlich fetttriefend. Mir tat der Fisch leid, das hatte er nicht verdient. Wenn das das beste Schnellrestaurant war, möchte ich nicht das Schlechteste erleben. Zumindest jedoch war es eine wirklich große Portion und ich war komplett satt.
Von Ullapool ging es weiter gen Süden, bis ich bei Poolewe einen Zeltplatz fand.


Gefahrene Route

Tag 10, 06.06.2011: Inverewe - Loch Rannoch

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Emme von oben
Das Foto kann das schöne Grün leider nicht wiedegeben...
Burgruine Strome Castle
1602 wurde die Burg gestürmt und gesprengt, nachdem man versehentlich das eigene Pulver mit Wasser versaut hatte und den Fehler machte, das laut fluchend kundzutun... Darna Corum auf dem Trockendock
Zwei alte Schinken: MZ und BSA BSA
Der Seitenwagen ist natürlich links Ein paar Meilen hat die alte Dame ja schon runter...
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Das ist Hammish, der Besitzer der BSA Plakette eines ägyptischen Motorradclubs aus dem 2. Weltkrieg.
Birningham Small Arms Robuster Seitenwagen-Anschluss
Man beachte die Aufschrift auf dem Helm... google ist überall
Reifenwechsel War auch langsam nötig

Nach dem Zusammenpacken fuhr ich bis zur A87 auf Höhe der Isle of Skye. Von dort aus Richtung Südosten bis Invergarry, am Loch Lochy vorbei und auf einer Nebenstrecke bis Fort William. Irgendwo an dieser Strecke hielt ich in einem kleinen Dorf an, um einzukaufen und zu tanken. Dort sah ich eine schöne alte patinierte BSA stehen. Der Besitzer war nicht zu finden und nach der obligatorischen Fotosession fuhr ich weiter Richtung Fort William. Irgendwann viel später bei einer Pause kündigte ein Donnergrollen was besonderes an und an mir fuhr die BSA samt winkendem Fahrer vorbei. Also alles schnell zusammengepackt und hinterher. Nach ein paar überholten Fahrzeugen hatte ich ihn erreicht und tuckerte mit gemütlichen (aber immer konstanten) 80km/h auf der kurvigen Straße hinter ihm her, den Sound der BSA genießend. Irgendwann hielt er an, selber neugierig, ob ich wohl der Typ mit dem komischen Motorrad war, den er vorher gesehen hatte. Der Fahrer heißt "Hammish" (wenn ich seinen Namen richtig verstanden habe, er sprach einen gut ausgeprägten Akzent) und fährt diese MT21 (also die zivile Version) seit 1976. Es folgte viel Geplauder über Motorräder im Allgemeinen und MZ und BSA im Speziellen.
Nach dem Plausch erreichte ich Fort William. Dort wollte ich neben frischem Sprit auch eine Reifenbude finden, die mir den längst überfälligen Hinterreifen wechseln sollte. Ich fand zwar eine solche Bude, aber Motorradreifen konnten sie nicht wechseln. Also fragte ich, ob ich wenigstens Luft für den Reifen bekommen könnte und wechselte den Reifen in wenigen Minuten, direkt vor der Werkstatt. Zwischendurch hörte ich den vertrauten BSA-Klang und Hammish fuhr wieder an mir vorbei und winkte mir nochmal zu...

Emme auf der Brücke... geschachtelte Brücken
geschachtelte Brücken Teil 2 Der Grund für die Schachtelung
fast leerer Zeltplatz Midges-Fresser

Nach dem Wechsel fuhr ich wieder ein Stück zurück, um etwas weiter Richtung Osten kommen zu können. Beim Tanken traf ich auf eine Gruppe holländischer Motorradfahrer und ich wurde plötzlich in allerfeinstem sächsischen Dialekt auf meine Emme angesprochen. Es stellte sich heraus, dass eine der mitfahrenden Sozias aus Dresden kam, diese war gleich vollends begeistert, eine Emme in Schottland zu sehen. Sie sagte auch, dass am Vortag allein 80 Motorradfahrer aus Holland die Fähre in Edinburgh verließen. Dies erklärte auch die Schwemme an holländischen Kennzeichen in den letzten Tagen...

Die A9, eine autobahnähnliche Schnellstraße, war wie erwartet nicht besonders schön zu fahren und so bog ich bei ersten Gelegenheit auf die B 847 ab und fuhr bis zum Loch Rannoch, wo ich mir einen einsamen Zeltplatz suchte. Dieser Zeltplatz war wirklich einsam, ich war fast der Einzige dort. Um den Midges Herr zu werden, standen am Rand des Platzes mehrere "Midges-Killer", die offensichtlich auch funktionierten. Tieffliegende und mutige Vögel sorgten zusätzlich dafür, dass die Midges nicht überhand nahmen....

Gefahrene Route

Tag 11, 07.06.2011: Loch Rannoch - Thornhill

Nach dem Aufstehen und Bezahlen der Übernachtung fuhr ich erst einmal bis zur nächsten größeren Stadt (Aberfeldy), um der ES Sprit und mir ein großes Frühstück zu gönnen. Im "The Quaich" gab es dann ein "Full english Breakfast" mit Tee (wer wirklich für viele Stunden satt werden will, sollte sich das gönnen). Danach ging es Richtung West-Südwest, am Loch Tay vorbei bis zum Loch Awe und der Halbinsel Knapdale.
The Quaich
Single-Track und Regen
Meine Packmethoden wurden nach und nach perfektioniert
Abgeholzter Wald. Nicht schön, aber mit Wald würde ganz Schottland anders aussehen
Mit der Fähre von Tarbet setzte ich wieder auf die Halbinsel Cowal über, die ich schon auf der Hinfahrt durchfahren habe. Diesmal jedoch wollte ich mir nicht eine kleine Straße entgehen lassen, die einen Teil der Halbinsel quert und die ich auf der Hinfahrt nicht gefunden hatte. Die Straße, als "C11" ausgewiesen, war stellenweise so schmal, dass ein normales Auto nur knapp Platz gefunden hätte. Zum Glück war ich dort der Einzige, so dass ich mich mit dem Problem nicht auseinandersetzen musste.
Mal eine der wenigen breiten Stellen und trotzdem nix los Auf der Fähre...
Die C11, die schmalste Straße meiner Reise Viel schmaler geht nicht mehr...
Mit der Fähre fuhr ich von Dunoon nach Gourock.
Um auf dem folgenden Stück nicht nur auf den großen Straßen unterwegs sein zu müssen, fuhr ich auf einer kleinen Straße von Inverkip nach Largs. Obwohl nur wenige Meilen vom Trubel entfernt, war auf dieser Straße nichts mehr los.
Über Irvine und Kilmnarock fuhr ich weiter Richtung Süden. Hier fing ich auch bereits an, nach Zeltplätzen Ausschau zu halten, aber selbst Einheimische konnten mir da nicht weiterhelfen. Also fuhr ich weiter, irgendwann werd ich schon was zum Übernachten finden, dachte ich mir.
Kurze Pause...
Fähre nach Gaurock Einsame Straße zwischen Inverkip und Largs

Kurz hinter Cumnock sah ich auf der gegenüberliegenden Straßenseit jemanden seine Norton auf einen Parkplatz schieben. Da die Straße doch recht stark befahren war, war es mir nicht möglich, sofort umzudrehen. Aber nach ein paar hundert Metern kam ein Kreisverkehr (in GB ist es selten weit zu einem Kreisverkehr, außer ganz im Norden), auf dem ich umdrehen konnte. Vielleicht kam man dem Kerl helfen und vielleicht weiß er ja auch, wo es einen Zeltplatz gibt.
Als ich ihn erreichte, war er gerade drauf und dran, zu Fuß weiterzulaufen, also hupte und winkte ich ihn zurück. Er stellte sich als Andy vor und ich besah mir seine Norton genauer. Sah es beim Vorbeifahren noch aus wie ein relativ neumodischer Hobel, so war es doch tatsächlich eine echte Commando 750.
Wie sich herausstellte, hatte Andy einen Platten am Hinterrad und wußte nicht genau, auf welcher Straße er unterwegs war, deswegen wollte er bis zum nächsten Hinweisschild laufen. Die Straße konnte ich ihm nennen und er rief den Abschlepper an, um sich abholen zu lassen. Während wir warteten, fingen wir an, über alte Motorräder zu quatschen, und Andy meinte, er sei eine Art "Motorrad-Messie" und hätte so einige alte Motorräder. Als ich ihn nach einem Zeltplatz fragte, überlegte er kurz, konnte mir da nicht weiterhelfen. Stattdessen bot er mir an, bei ihm im Haus übernachten zu dürfen. Da konnte ich natürlich schlecht nein sagen und so hatte ich meine Übernachtung gesichert. Ein kurzer Anruf bei seiner Frau, um sie vorzuwarnen, dass sie Besuch bekommen würden und dann kam auch schon der Abschlepper. Als alles aufgeladen war, fuhren wir noch etwa 30 Meilen bis Thornhill und nach ein paar weiteren Meilen durch kleinste Straßen waren wir da. Seine Frau begrüßte mich mit den Worten "This happens all the time", während sie auf den Abschlepper zeigte. Nach dem Abladen (und einem Tee, natürlich), zeigte mir Andy seine sehr beeindruckende Sammlung, von der ich hier nur einen Teil wiedergeben kann. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus, waren das doch fast ausnahmslos Traummotorräder, die man normalerweise nur in Museen zu Gesicht bekommt.
Ariel, Norton, eine Trialmaschine von Greeves, Matchless, Velocette usw. Zu viel, um es in wenigen Minuten alles zu erfassen und es wurde bereits dunkel, so dass man nicht mehr viel sehen konnte. Seine Frau, die bei dem Rundgang teilweise dabei war, sagte scherzhaft "This is all junk! Junk! Junk! Junk!".

Norton Commando Der Abschlepper bereitet sein Fahrzeug vor und Andy schaut neugierig zu.
Aufbewahrungsort fürs Ersatzkettenschloß... Ariel Square Four
Greeves Greeves
Norton Rudge Auch automobile Klassiker hat Andy
Velocette-Überreste Auch eine Hupe aus Ruhla hat sich nach Schottland verirrt...
Noch eine Norton Ariel mit echtem Beiboot
Nach einer überfälligen Dusche meinerseits überfiel uns der Hunger und wir fuhren im 1961er Landrover (von dem habe ich leider kein Foto) nach Thornhill rein, um dort beim Chinesen noch etwas zu holen. Nach dem Essen war es schon nach Mitternacht und ich konnte zum ersten Mal seit Beginn der Reise wieder in einem richtigen Bett schlafen.

Gefahrene Route
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