Schottland 2011 (Seite 3)

Tag 6, 02.06.2011: Oban - Camusdarach

Grüntöne sieht man in Schottland viele... Versuch eines HDR-Bildes
Die Emme in HDR
Blick auf die Halbinsel
Anfangs war das Wetter noch eher mau, besserte sich aber stetig, bis am Abend dann blauer Himmel vorherrschte. Folgendes Video entstand kurz hinter Connel, als ich, statt der am Anfang zu sehenden, wenigen Meter langen Brücke, eine kleine Straße rund um eine Ecke des Loch Creran benutzte, an den Ortschaften South Creagan und Creagan vorbei:


Das nächste Video entstand auf der B863 rund um den Loch Leven:

Panorama again
Ich fuhr weiter gen Norden, bis ich zur Fähre bei Corran kam, dort setzte ich auf eine Halbinsel über, um nicht durch Fort William fahren zu müssen und auch die kleinen Straßen auf der Halbinsel genießen zu können. Auf diesen erreichte ich den Point of Ardnamurchan, der gerne als der westlichste Punkt des britischen Festlandes bezeichnet wird (aber es wohl nicht ganz ist, denn die Landzunge "Corrachadh Mòr" etwas weiter südlich ragt noch ein paar Meter weiter in den Ozean, allerdings führt dort keine Straße hin).
Einsame Straße (B8043)
Zaungäste Schwein mit Kühen...
... Blick in den Rückspiegel
etwas Offroad muss auch mal sein ...
(angeblich) westlichster Punkt auf dem britischen Festland ...
vermutlich westlichster Leuchtturm des britischen Festlandes Single Track Road zum westlichsten Punkt
Nahe Verwandte des Eisenschweins: Das Hausschwein.
Von dort aus ging es wieder ein Stück Richtung Osten, um dann nach Norden Richtung Mallaig abzubiegen. Bei Arissaig biegt eine kleine Straße von der A7830 ab, die dann der Küstenlinie folgt. Falls man dort unterwegs ist, unbedingt auf die B8008 abbiegen, es lohnt sich wirklich! Ein paar Meilen Straße, die es aber in sich haben. Wie sehr, durfte ich am nächsten Tag feststellen, aber davon später mehr.
griffiger, trockener Asphalt, Kurven, was will man mehr? Mäh!
... Seeidylle, im Hintergrund schnauft eine Dampflok den Berg rauf
Emme kurz vorm Wassern... ...
... Auf Zeltplatzsuche...
... ...
Hier griffen mich beim Fotografieren Midges an
Diese Straße fuhr ich dann bis zum Ende und erreichte noch den Loch Morar, wo ich einen Platz zum Wildzelten suchte, aber leider nichts fand. Da ich an der B8008 zwei Campingplätze fand, fuhr ich wieder ein Stück zurück, um auf einem davon zu nächtigen. Der Platz an sich war ok, allerdings voller Midges. Als ich eine Stelle fand, die so halbwegs Midges-frei zu sein schien, fing ich an, das Gerödel vom Mopped zu packen. Daraufhin entschlossen sich nahezu gleichzeitig die beiden Schrecken der Zeltplätze, Midges und kleine, lärmende Kinder, aus ihren Löchern zu kriechen und mir auf den Nerv zu gehen. Ich beschloß, die Wahl der Zeltplatz-Ecke nochmal zu überdenken und suchte mir eine ruhigere Ecke aus. Beim Zusammenpacken nutzte die ES eine kleine Unaufmerksamkeit meinerseits, um vom Seitenständer nach rechts zu kippen. Mein Versuch, das vollbepackte Trum aufzuhalten, schlug fehl und der rechte Blinker war ab. Das erste Opfer meiner kleinen Pechsträhne. Mein Mißgeschick blieb nicht unbemerkt und mir bot jemand an, beim Aufheben der Karre zu helfen, was sich als schwierig gestaltete, da der Gasgriff nun lose war. Als ich am rechten Lenkerende zugreifen wollte, fiel der Griff ganz ab und ich packte in den fettigen Schmodder darunter und schob die ES in die ruhigere Ecke. Bei der Aktion ging noch meine Brille verloren, die sich ums Verrecken nicht mehr finden ließ und erst beim endgültigen Abrödeln zwischen Zelt und Koffer zum Vorschein kam, wo sie wohl beim Umkippen hingefallen war. Nach dem Aufbau des Zeltes tauschte ich die beiden Blinker (um den Gasgriff wieder zu befestigen) und konnte so auch den linken Blinker mit Kabelbindern wieder so halbwegs fest am Lenker befestigen.
Während des schönen Sonnenuntergangs plante ich die weitere Route und konnte dann schlafen gehen.
Auf dem Zeltplatz Sonnenuntergang

Gefahrene Route

Tag 7, 03.06.2011: Oban - Portree

Blick aus dem Zelt

Die Sonne schien und da ich eine möglichst frühe Fähre von Mallaig auf die Isle of Skye erwischen wollte, beeilte ich mich mit dem Zeltabbau und fuhr früh los. In der vorletzten Kurve vor der A830 passierte es dann: Bei relativ geringer Geschwindigkeit (50-60km/h) und mittlerer Schräglage rutschte plötzlich das Vorderrad kurz weg. Das Rad bekam wieder Grip, dabei verringerte sich die Schräglage der MZ. Ich nutzte die Gelegenheit, um noch voll in die Bremsen zu packen und so die Fahrt rauszunehmen. Dabei verringerte sich die Schräglage weiter und ich fuhr Richtung Straßenrand. Beinahe hätte ich die Kurve noch geschafft, aber das Vorderrad verließ die Straße und sackte sofort in dem weichen Boden ein, woraufhin der Sturz unausweichlich war. Während die Emme einschlug, verließ ich gezwungermaßen meinen Sitzplatz und näherte mich ballistisch mit nach vorne ausgestrecken Armen dem Boden. Nach dem ziemlich herben Einschlag rutschte ich noch einige Meter bergab, verlor dabei das Visier und baute die Fahrt mit Händen, Helm und Brust ab. Nachdem ich zur Ruhe gekommen war, stand ich auf und spürte direkt, dass mit den Fingern der rechten Hand was nicht in Ordnung war. Sonst schien aber noch alles an mir dran zu sein und ich schaute nach der MZ. Diese sah zwar fürchterlich aus, hatte aber, trotz des Einschlags, scheinbar nicht allzuviel abbekommen, was vielleicht auch daran lag, dass sie, im Gegensatz zu mir, das weiche Erdreich als Bremse benutzte und nicht den harten Asphalt. Das völlig verbogene Schutzblech zog ich direkt wieder grob in Form, nur der verdrehte Lenker machte mir Sorgen.
Als ich dort am rödeln war, kam jemand in einem Auto vorbei und half mir ohne zu zögern, die ES aufzurichten und an eine Stelle zu schieben, wo ich Platz hatte. Er fragte mich, ob mit mir alles ok sei. Da meine Finger zwar schmerzten, aber keinen wirklich kaputten Eindruck machten, winkte ich ab, woraufhin er erstmal seine Tochter in die Schule brachte. Ein paar Minuten später tauchte er ohne Tochter wieder auf und fragte nochmals, ob alles klar wäre. In der Zwischenzeit hatte ich grob alles gecheckt und auch den Lenker nach Lösen der Klemmung wieder an die korrekte Position gebracht. Da ich der Meinung war, dass ich so zumindest erstmal weiterfahren könnte, dankte ich ihm nochmals und er fuhr weiter. Während ich danach den Rest des Moppeds und meiner selbst wieder in Form brachte, kamen noch ein paar Spaziergänger vorbei und fragten, ob ich Hilfe bräuchte. Seitdem besteht für mich kein Zweifel mehr: Die Schotten sind eindeutig ein hilfsbereites Volk.
Beim Warten auf die Fähre (ich hätte beinahe doch noch die gewünschte Fähre erwischt) holte ich mein Frühstück nach und überlegte, ob ich nach dem Besuch der Isle of Skye direkt zurückfahren sollte. Ich entschied mich erst einmal dagegen, obwohl ein Benutzen der vorderen Bremse nur im Notfall und unter wirklich viel Schmerzen möglich war.
Armes Eisenschwein grob gerichteter Kotflügel
verdrehter Lenker Unfallstelle.
Hier buddelte sich das Vorderrad ein. Der linke Koffer hat vermutlich mit der Ecke den Begrenzungspfosten erwischt.
Auch so hat der Koffer wohl viel Energie abbekommen Kampfspuren an der Jacke...
die billigen Sommerhandschuhe haben gut gehalten
Nach der Überfahrt fuhr ich, um nicht dem Pulk von Autofahrern von der Fähre zu folgen, erstmal auf eine kleine Straße Richtung Süden, die aber nach ein paar Meilen endete. Danach ging es wieder Richtung Norden und ich bog auf eine kleine Straße ab, die am Dunscaith Castle vorbei führte. Warum ich dort keine Fotos machte, ist mir nicht ganz klar, aber besonders groß war die Burg eh nicht. Auf der A87 fuhr ich weiter Richtung Nordwesten, bis ein kleines Schild auf das Dorf "Moll" hinwieß. Die kleine Straße, bei der man auf einer GS sicherlich besonders viel Spaß gehabt hätte, führte am Meer entlang und bot eine wunderbare Aussicht, ausserdem war auf dieser Straße nichts los. Das Dorf Moll bestand aus einem Haus, soviel dazu. Aber immerhin eine eigene Straße. ;-)
Warten auf die Fähre verspätetes Frühstück
bestes Wetter (und noch mehr Hunger) Kurven
... Nationalsport Golf: Opa bringt den Enkeln das Spielen bei
... dort stand wohl mal ein Castle
Straße Richtung Moll ...
Allerbester Straßenbelag... Die Isle of Skye ist schön
... ...
... Frischer Sprit in Dunvegan
IMG_0769_small ...
unbekanntes Castle nautische Szene
diebisches Karnickel

Auf der A863 fuhr ich über Bracadale, Dunvegan und Carbost Richtung Portree, wo ich mir einen Zeltplatz suchen wollte. Den nördlichen Teil der Insel sparte ich mir aufgrund der Handverletzung, zumal ich die A87 als nicht besonders spannend empfand. Auf dem Zeltplatz in Portree wurde ich mit "no rain, no midges, welcome to my campsite!" begrüßt, der Platz gefiel mir auch recht gut. Dank des Windes waren Midges wirklich kein Thema, auch die zwischenzeitlich aufgezogenen Wolken entluden sich nicht über mir. Während ich duschte, wollte ein Karnickel sich offenbar an meinen Vorräten gütlich tun, denn als ich zurückkam, hoppelte es gerade aus meinem Zelt. Entweder das Zeug von mir schmeckte ihm nicht, oder ich kam rechtzeitig, bevor es etwas stibizen konnte, denn es war nix angeknabbert und so futterte das Tierchen Tannenzapfen und ließ sich kaum von mir stören, als ich zum fotografieren nah rankam.

Gefahrene Route

Tag 8, 04.06.2011: Portree - Big Sand

Zerlplatz in Portree
Single-Track again
...
Wasser in Sicht
Fähre Fähre
Das Wetter war bestens, meiner Hand ging es wieder etwas besser, also entschloß ich mich zur Weiterfahrt gen Norden.
Mein Zeltnachbar kam mit mir ins Gespräch und erzählte mir, wo es im Norden noch gute Zeltplätze gibt: Big Sand, Scourie, Elphin und Durness. Ausserdem erzählte er mir Horrorstories über Horden von Midges und dass es im Spätsommer besser sei, mit einem Netz am Hut rumzulaufen, denn die Biester würden sonst überall hinfliegen und reinkrabbeln: Augen, Nase, Mund. Sicherlich übertrieben, aber ein wenig Wahrheit wird sicher dran sein.
Ausserdem meinte er, der Nordosten von Schottland sei kaum sehenswert, was ich mir allerdings schon gedacht habe, denn plattes Land am Meer kenne ich von Mecklenburg schon zur Genüge.
Ich wollte die Isle of Skye nicht über die Brücke bei Kyleakin verlassen, sondern die kleine Straße etwas weiter südlich nehmen um dann dort die Fähre aufs Festland zu nehmen. Die Straße war kaum befahren, der Himmel blau und die Strecke ein Genuß. Das ließ mich meinen Unfall fast vergessen, dennoch fuhr ich vorsichtiger als vorher. Noch ein Crash würde ich mir nicht antun wollen. Die Fähre über den Kyle Rhea war ein besonderes Erlebnis, denn diese recht primitive Fähre wird größtenteils manuell bedient: Die Fähre fährt seitlich an den Anleger ran, die Plattform, auf dem die Fahrzeuge stehen, wird von Hand so gedreht, dass man herunterfahren kann und die Rampen werden ebenfalls händisch herunter- und wieder hochgeklappt. Den ganzen Spaß durfte ich mir zweimal anschauen, denn gerade als die Fähre ablegen wollte, kam  noch ein Auto, das natürlich noch mitgenommen wurde. Auf der Fähre fragte man mich, ob ich zu dem Haufen britischer Motorräder gehören würde, die wenige Stunden vor mir mit 10 BSA-Gespannen und dergleichen in die gleiche Richtung fuhren. Ich verneinte und fragte die Fährleute, ob sie wissen würden, wo die Gespanne hingefahren seien. Sie meinten, Richtung Fort William. Leider fuhr ich nicht in diese Richtung, so dass ich die Leute leider verpasst habe.
... Eilan Donan
Eilan Donan 2 Die Nase muss auch mal frei werden...
Allein das Kalb flößt Respekt ein... ...
Berge sind in Schottland allgegenwärtig Applecross-Pass
Applecross-Pass 2 Ausblick
... Das Meer

Nach der Fährüberfahrt fuhr ich weiter Richtung Loch Duich, wo ich wieder auf die A87 traf. Diese befuhr ich wieder Richtung Norden und kam so am berühmten Eilaen Donan Castle vorbei, wo ich natürlich auch Fotos machte. Leider war alles voller Touris, so dass es mir nicht möglich war, auch schöne Fotos aus der Nähe zu machen.
Auf der A87 bog ich dann kurz vor der Brücke Richtung Plockton ab, damit kam ich auf eine schöne kleine Straße, die entlang der Küste Richtung Norden führte.
Kurz danach erreichte ich den berühmten Applecross-Pass, seines Zeichens der höchste Pass in Großbritannien. Aber mal ehrlich: Wenn man Alpenpässe gewohnt ist, kommt einem der Applecross-Pass eher mau vor, deswegen allein lohnt sich der Umweg nicht. Was sich aber sehr wohl lohnt, ist die dann folgende Straße entlang der Küstenlinie Richtung Norden und Shieldaig. Ironischerweise fuhren die meisten der britischen Sonntagsbiker diese Straße nicht, sondern stattdessen nur den Pass zweimal hoch und runter.

Kleine Lochs gab es zuhauf Emme am Wasser
Wo diese Kette wohl hinführt? ...
... bissel Posing muss auch mal sein...
Posing auch mit Fahrer... blauer Himmel, Sandstrand, man könnt sich fast in der Südsee wähnen
Trockendock ...

Nach Gairloch fuhr ich auf die B8021 und erreichte so den Zeltplatz "Big Sand", der direkt am Meer gelegen und recht groß war. Dort hatte ich bei der Wahl des Platzes wieder nur ein mäßig glückliches Händchen und suchte mir ausgerechnet neben einer Familie mit 2 kleinen, fußballspielenden Knirpsen einen Platz zum Nächtigen aus. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass zum Zeitpunkt meiner Ankunft keine Menschenseele dort war, sondern nur ein Van mit einem mittelgroßen Zelt.
Nach einem leckeren Abendessen war der Tag dann endgültig gelaufen und ich konnt schlafen gehen, die Kinder waren um die Zeit glücklicherweise ebenfalls im Bett. Was mir an diesem Abend noch auffiel, war der späte Zeitpunkt des Sonnenuntergangs. Eindeutig, ich war im Norden angekommen, auch wenn ich nur knapp nördlicher war als Kristiansand am südlichen Ende von Norwegen.

Gefahrene Route

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